Sozialistische Linke :: realistisch und radikal
26. November 2014

Neues aus dem Paralleluniversum: Das Gutachten der "Wirtschaftsweisen"

Das neue Gutachten des Sachverständigenrats tut so, als habe es Weltfinanzkrise und Eurokrise nicht gegeben. Unbeirrt von Forschungsergebnissen aus Deutschland und dem Ausland zur Wirkung von Mindestlöhnen und wirtschaftlichen Ungleichgewichten wird der noch nicht in Kraft getretene gesetzliche Mindestlohn für schlechte Konjunkturentwicklungen verantwortlich gemacht. Zu Recht spricht deswegen ver.di von "Ratschlägen aus der Mottenkiste".
Norbert Häring kann aufzeigen, dass die sog. "Wirtschaftsweisen" nur mit Hilfe fragwürdiger Tricks und Manipulationen ihre Schlussfolgerungen als hilfreich präsentieren können. Dem wissenschaftlichen Anspruch des Gremiums, das eigentlich eine ExpertInnengruppe darstellen soll, schlecht Häring das denkbar schlechteste Zeugnis aus: "In besonders heiklen Fällen, wie beim Mindestlohn, wo man aus wiederholter, schmerzhafter Erfahrung weiß, dass mindestens ein Journalist sehr genau darauf achtet, ob die Literaturlage diesmal wenigstens korrekt dargestellt wird, verzichtet man lieber gleich ganz darauf, sich zur wissenschaftlichen Basis der eigenen Aussagen zu äußern und behauptet einfach wild drauf los, garniert nur mit einzelnen stützenden Aufsätzen, die unauffällig in das Literaturverzeichnis eingestreut werden".
Der Spiegel Online-Kolumnist Wolfgang Münchau kann nur noch kopfschüttelnd feststellen, dass die Wirtschaftsweisen wie aus einem Paralleluniversum heraus argumentieren. Die tiefere Ursache liege in der Vorherrschaft des ordoliberalen Denkens über Wirtschaft an Lehrstühlen, in Verbänden und Parteien in der Bundesrepublik. "Heute ist die Regierung ordoliberal. Die Opposition ist ordoliberal. Die Universitäten lehren ordiliberale Wirtschaftslehre. So kommt es, dass inzwischen Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Volkswirtschaftslehre anderswo in verschiedenen Universen stattfinden"
 

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