22. September 2011
Feminismus im Parteiprogramm
Wir dokumentieren einen Leserbrief von Ralf Krämer zum Interview von Frigga Haug im Neuen Deutschland

Im ND-Interview am 19.09.2011 sagt Frigga Haug neben Bedenkenswertem, im Entwurf des neuen Parteiprogramms sei zu Frauen bzw. Feminismus nur „ein kleiner Absatz geschrieben“, das stehe dann „irgendwo zwischen Migrantenpolitik und Individualrechten“. Und „die LINKE sollte sich nicht länger auf einen Arbeitsbegriff stützen, der nur die Lohnarbeit meint.“ Belege bringt sie dafür nicht. Belegen lässt sich, dass diese Behauptungen unwahr sind.

Im Programmentwurf befindet sich im Analyseteil ein mehrseitiges Kapitel „Patriarchale Unterdrückung und Arbeitsteilung“, das sogar deutlich umfangreicher ist als das zu „Deutschland - eine Klassengesellschaft“. Antipatriarchale Positionen finden sich weiter in den längeren Abschnitten zu „Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit“ und zu „Antidiskriminierungspolitik" und etlichen Stellen im Programm. Im Kapitel „Gute Arbeit“ wird ausgeführt: „Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit, denn ohne die täglich zu leistende Arbeit in der Haushaltung, in der Erziehung, Sorge und Pflege, im Ehrenamt und im Kulturbereich könnte auch die in Lohnarbeit investierte Arbeitskraft sich im gesellschaftlichen Maßstab nicht reproduzieren. Die Erwerbsarbeit hat die spezifische Bedeutung, dass in ihr die Einkommen erwirtschaftet und die Güter und Dienstleistungen produziert werden, die gekauft werden können.“ Auch an anderen Stellen wird deutlich, dass ein breiter Arbeitsbegriff zugrunde liegt. Es hat andererseits gute Gründe, dass sich die meisten Forderungen auf den Bereich der Lohnarbeit richten, der eben in besonderer Weise gesellschaftlich reguliert ist.

Zu dem von ihr mitverfassten Prämbelentwurf: In einer demokratischen Organisation hat niemand einen Anspruch, die eigene Auffassung durchzusetzen, auch wenn man diese noch so wichtig findet. Wenn es gute Argumente dagegen gibt, die Mehrheiten überzeugender finden, muss man das akzeptieren. Das gilt auch für Frigga Haug.

Ralf Krämer, Mitglied der Redaktionskommission für das neue Programm

 

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